Comtec über die Bedeutung von Sprachkenntnissen für erfolgreiches Exportieren im Daily Telegraph
Handel im Fokus - in diesem Monat: Kann Großbritannien seine Sprachbarrieren im Handel überwinden?
Briten haben es nicht einfach, aber Richard Tyler erklärt, dass die Kenntnis einer anderen Sprache beim Handel im Ausland helfen kann. Von Richard Tyler Veröffentlicht: 16:44 Uhr britischer Zeit, 12. Okt. 2009
Unser Rezensent für Business-Technologie Techbyte verursachte letzte Woche einen kleinen Aufstand, als er den neuesten elektronischen Übersetzer Ectaco iTravl positiv bewertete. Der Test stellte klar, dass das Gerät zwar nützlich, aber kein Wunderteil ist. „Übersetzer wandeln Gesprochenes nicht magisch in fehlerloses Französisch, Deutsch oder Kantonesisch um. Dafür bräuchte man Technologie vom Raumschiff Enterprise“, bemerkte Techbyte. Doch Mike Hunter, Leiter von Betterlanguages Limited, stellt die Grundlage der Bewertung in Frage. „Es herrscht ein himmelweiter Unterschied zwischen dem genannten Beispiel der Bestellung von Bruschetta in einem Restaurant und der Abwicklung komplexer Geschäftsverhandlungen oder der Übersetzung technischer Dokumente“, schrieb er. „Wer ein Gerät in eine Geschäftsbesprechung mitnimmt und erwartet, dass es sprachliche Probleme löst, riskiert, sich lächerlich zu machen. Angesichts des Kosten- und Zeitaufwands, die Geschäfte mit dem Ausland mit sich bringen, stellen ein paar Stunden Dolmetschen wirklich keine große Ausgabe dar. Kleinunternehmen können möglicherweise das Internet nutzen und Meetings über eine Web-Konferenz oder VoIP (Internet-Telefonie) abhalten, vielleicht mit einem Telefon-Dolmetscher.“ Die Anmerkungen von Hunter sprechen eines der größten Hindernisse im internationalen Handel an: Keine der beteiligten Parteien versteht, was die andere meint. Englisch mag die wichtigste internationale Handelssprache sein, und britische Unternehmen haben vielleicht noch einen gewissen Vorsprung in den 53 Ländern des Commonwealth, in denen Englisch gesprochen wird, doch das britische National Centre for Languages gibt an, dass drei Viertel der Weltbevölkerung überhaupt kein Englisch spricht und 94 % der Englischkundigen die Sprache nur als Zweitsprache beherrscht. Chinesisch ist die am häufigsten gesprochene Sprache, gefolgt von Spanisch und Englisch. Gavin Wheeldon, Gründer der in Manchester ansässigen Übersetzungsfirma Applied Language Solutions, meint: „Eine im internationalen Handel beschäftigte Person lernt vielleicht Englisch, doch meistens haben Sie nicht mit diesem Personenkreis zu tun. Wenn es bei Ihnen um Aufträge im Wert von 50 Millionen Euro geht, kommen Sie damit womöglich durch. Wenn Sie aber Franzosen eine neue Hutmode verkaufen wollen, haben Sie keine Chance.“ Im Rahmen einer Studie der britischen Industrie- und Handelskammer (BCC), die fast 3500 ihrer Mitglieder befragte, warum sie nicht ins restliche Europa exportieren, nannten 11 % Sprachbarrieren und 5 % kulturelle Barrieren. Laut Isabella Moore, ehemalige Präsidentin der BCC und Geschäftsführerin von Comtec Translations Leamington Spa, zeigte die Umfrage, dass kleinere Unternehmen aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse Aufträge im Wert von bis zu 250.000 Pfund pro Jahr verlören. „Es hält sich hartnäckig die Vorstellung, dass man das mit Englisch schon schafft. Doch wenn man sich ansieht, wo wir Exporterfolge zu verzeichnen haben, ist das dort, wo Englisch weit verbreitet ist“, erklärt sie. „In Ländern wie Spanien und Italien schlagen wir uns anteilig bei Weitem nicht so gut. Und in Südamerika erreichen wir nur einen Bruchteil unserer Gesamtexportzahlen.“ Moore weist auf Erkenntnisse von James Foreman-Peck an der Cardiff Business School hin, die belegen, dass sich die britischen Exporte immer stärker in englischsprachige Länder mit langsamerem Wachstum verschieben. „Die Regierung stellt Englisch als echten Vorteil hin, und das ist auch in Ordnung. Wenn aber kein Englisch gesprochen wird und Sie dennoch die Geschäftsbeziehungen intensivieren und in den Markt eindringen wollen, reicht das nicht. So oberflächlich kommt man nicht weit.“ Prof. Foreman-Peck fand außerdem heraus, dass die britischen Exporteure nicht so stark von der Bereitschaft anderer Nationen, Englisch zu lernen, profitieren wie sie glauben. Analysen in den USA ergaben, dass es bei Online-Käufern mit schlechten Englischkenntnissen sechsmal weniger wahrscheinlich war, dass sie einen Kauf tätigten, als bei denjenigen mit guten Englischkenntnissen. Die Studie zeigt auch, dass Kunden bereit sind, mehr auszugeben, wenn die Website in ihrer Muttersprache angezeigt wird. Moore glaubt, dass eine gewisse Schwäche in puncto Fremdsprachen britische Exporteure davon abhält, überhaupt einen Versuch zu unternehmen. „Es hat etwas damit zu tun, sich aus Bekanntem herauszuwagen. Wenn man seine Muttersprache Englisch einsetzen kann, ist man selbstbewusster. Wenn nicht, stößt man auf Barrieren“, erläutert sie. „Ich weiß nicht, ob es uns in die Wiege gelegt ist, dass wir uns nur dann trauen, unseren Mund in einer anderen Sprache zu öffnen, wenn wir perfekt sind. Es geht darum, Engagement zu zeigen. Schon eine einfache Unterhaltung wird dankbar gewürdigt.“ Die Studie der BCC zeigte, dass Unternehmen einen bestimmten Exportmarkt vor allem deswegen wählen, weil sie um dessen Nachfragepotenzial wissen und glauben, dort Umsatz machen zu können. Doch 14 % gaben an, dass sie die sprachlichen und kulturellen Ähnlichkeiten mit Großbritannien angezogen hätten. Allerdings sahen Unternehmen in derselben Umfrage die Sicherung besserer Sprachkenntnisse nicht als Priorität. Nur 5 % der befragten Unternehmen würden subventionierte Sprachkurse begrüßen. Ebenso war die Nachfrage nach einer „Exportbox“, einem Startpaket, das die britische Regierung im Juni einführte und das auch Übersetzungsdienste enthielt, schleppend. Die Box enthielt eine subventionierte Übersetzung und Umgestaltung der Website für einen fremdsprachigen Markt, eine Google-AdWords-Kampagne, Logistikleistungen vom Postunternehmen Royal Mail und subventionierte Bankdienste von HSBC. Wheeldon erzählt, dass es jede Menge Anfragen gab, doch eine „wesentlich geringere Zahl“ erwarb dann tatsächlich diese Leistungen, die 3000 Pfund kosteten. „Mir war klar, dass der Export nicht zu unseren Stärken zählt, doch ich hatte nicht mit den Berührungsängsten und Befürchtungen der Leute gerechnet und auch den Zeitaufwand für sie unterschätzt“, erinnert er sich.
Wirtschaftsteil des Daily Telegraph Veröffentlicht: 12. Okt. 2009
Der Internetlink: http://www.telegraph.co.uk/finance/yourbusiness/uk-trade-investment/6306887/Trade-month-will-Britain-overcome-its-linguistic-trade-barriers.html
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